Zweiter Morgen

Der Knabe, der suchend
den feuerhellen
Morgenschlaf erwartet,
trifft erschrocken auf den Tod,
der auf grauer Strasse lauert.


Zieht er in die Ferne
mit den flügellosen Wesen,
die in den Wolken tanzen,
oder stirbt er einsam
in Mutters Armen?


Balde der Frauen Klage
an schwarzer Friedhofsmauer hallt,
doch am braunen Erdwurf,
der eines Knaben Leichnam birgt,
ein liebend Mädchen Tränen lacht.


Wolfgang-Imre Brunsch, 1996

Nacht am Strand

Nacht fällt leise übers Meer,
hüllt Ewigkeit in schwarzen Grund,
die eisern Kälte schneidet sehr,
der Mond lacht fahl und rund.


Und weit im Sand auf schwarzem Stein
betäubte Feuerknaben kauern,
im harzgetränkten Honigwein
des Dunklen Träume lauern.


Und eisig bricht die Nacht ein Lachen,
gehetzte Augen, Sturm bricht an,
kein Leben will in ihnen wachen,
weil niemand noch entkommen kann.




Wolfgang-Imre Brunsch, 1997

Zu Dir

Die Bäume scheinen wächtergleich
der Dunkelheit verfallen aufgereiht
und wagen kaum zu rauschen.

Im Blätterwind verfliegt
der Traum des Tages
wie leises Weinen,
das verklingt.

Es bebt bei jedem Schritt
die schwarze Mauer
- Lust und Angst vereint zu Stein -

Und Schlagloch
um Schlagloch
und Risse im Asphalt
unter Schlamm
sind Hürden mir
auf der Flucht
in Deinen Kuss


Wolfgang-Imre Brunsch, 1997